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Familie & Fitness

Dieser Artikel erschien im Februar 2011 im Fachmagazin KÄNGURU. Autorin ist Verena Wiechers, sie schrieb auch das MamaWORKOUT-Buch „Prä- & Postnatales Training – Ratgeber für sportliche Schwangere und Mütter“ und entwickelte die MamaWORKOUT-DVD-Serie.

Dieser Artikel erschien im Februar 2011 in der Familienzeitschrift KÄNGURU, Autorin: Verena Wiechers – Expertin für Prä- & Postnatales Training

Wie bekommen Eltern beides unter einen Hut?

Sport und Bewegung sind für Erwachsene wie für Kinder gesundheitsfördernd, das weiß heute jeder. Vor allem in unserer Lebenswelt, die geprägt ist von Technisierung und daraus resultierender Bewegungsarmut ist es wichtig, einen Ausgleich für den Körper zu schaffen. Als Eltern haben wir in diesem Zusammenhang eine wichtige Vorbildfunktion, wir sollten unseren Nachwuchs zur Bewegung anregen und vor allem eine gewisse Sportlichkeit vorleben. Doch leichter gesagt als getan… Der Mangel an Zeit oder ansprechenden Angeboten und demgegenüber das Überangebot an Nässe, Kälte, Dunkelheit machen es gerade im Winter schwierig, dieses Vorhaben umzusetzen. Lassen Sie uns nach Lösungen suchen…

Ganz generell gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie trainieren mit dem Kind zusammen oder Sie nutzen eine parallel stattfindende Kinderbetreuung.

Training mit Kind – Walking, Jogging, Inlineskaten, Radfahren
Denken Sie um! An dem altklugen Spruch „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung“ ist nämlich viel dran! Kindern macht Regen und Kälte normalerweise gar nicht aus und auch wir Erwachsenen täten gut daran, unsere Abneigung gegenüber dem deutschen Üssel-Wetter zu überwinden, denn Bewegung an der frischen Luft ist besonders gesund. Sie trainieren beim Walking, Jogging, Inlineskaten und Radfahren Ihr Herz-Kreislauf-System, durchspülen den Organismus mit Sauerstoff und stärken die Abwehrkräfte. Mit zwei Trainingseinheiten wöchentlich (je 25 bis 60 Minuten) tun Sie sich und dem Nachwuchs etwas richtig Gutes!

Bis minus 10 Grad ist ein Outdoor-Training in keinster Weise bedenklich. Achten Sie darauf, durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen; wer möchte, kann sich ein Baumwoll-Halstuch vor Nase und Mund binden, das mildert die Kälte der Einatemluft. Die richtige Belastungsintensität überprüfen Sie entweder mit einer Pulsuhr (hochwertige Uhren messen die optimale Trainingsherzfrequenz automatisch) oder mithilfe des Sprechtests: Während des Trainings sollten Sie stets in der Lage sein – abgesehen von ein wenige Schnaufen – eine Unterhaltung zu führen. Im Winter hat man weniger Durstgefühl, trinken Sie nachher trotzdem reichlich Wasser oder Saftschorle.

Das A und O beim Ausdauersport im Freien ist die richtige Kleidung:
Tragen Sie eine Kopfbedeckung und atmungsaktive, winddichte, regenabweisende Kleidung – am besten nach dem “Zwiebelprinzip” mit mehreren Lagen übereinander. Baumwollkleidung ist weniger gut geeignet, da sie den Schweiß speichert und man schnell auskühlt. Ab 17h sind Stirnlampe und Reflektoren an der Kleidung sinnvoll. Um Stürze zu vermeiden, sind rutschfeste Laufschuhe bzw. Fahrradreifen mit wintertauglichem Profil ein Muss. (Bei richtig glatten Bodenverhältnissen lieber zu Hause bleiben und Inlineskaten bitte nur bei ganz bei trockenem Wetter!)

Eine wichtige Frage ist natürlich, welches Kinderwagenmodell geeignet ist. Viele so genannte Sport-Buggys sind bei näherer Betrachtung zu instabil, stören den Bewegungsablauf o.ä. Lassen Sie sich beraten und testen Sie ausgiebig!

Fürs Walking, Jogging oder Inlineskaten sollten Sie auf folgende Kriterien achten:
– Ist der Lenker so einstellbar, dass Sie bei leicht angewinkeltem Ellbogen den Oberkörper aufrichten können?
– Lässt das Wagengestell große Schrittlängen zu, ohne dass man gegen den Rahmen tritt?
– Ist das Radprofil wintertauglich und hält die Radfederung unebenem Boden, Stöcken und Steinen stand?
– Schützt die Sitz/Liege-Federung das Kind vor Stößen?
– Gibt es einen wärmenden Sack und ein Regenverdeck?

Beim Radfahren gilt:
– Sportliches Fahren funktioniert besser und bequemer mit einem Fahrradanhänger als mit einem Gepäckträger-Kindersitz. Außerdem haben Tester des Allianz Zentrums für Technik ermittelt, dass Anhänger im Straßenverkehr deutlich sicherer sind! (Quelle: www.allianz-autowelt.de/magazin/presse_archiv/artikelliste-2004/kinderfahrradanhaenger.html)
– Überprüfen Sie beim Kauf eines Anhängers: Wurden mit dem Modell Crash-Tests durchgeführt? Achten Sie weiterhin auf geprüfte Sicherheit von Anschnallsystem, Kupplungssystem, Federungssystem, Sichtbarkeit durch Reflektoren.

Empfehlung: Ein etwas teureres, dafür qualitativ exzellentes und für Laufen, Inlineskaten wie Radfahren vielseitig einsetzbares Modell ist der Chariot.
Tipp: Testergebnisse bei www.test.de.

Training mit Kind – Kursangebote
Leider noch viel zu selten, aber durchaus im Kommen sind Kurse, bei denen Babys oder Kleinkinder ins Workout integriert werden – Training für die Eltern und Spaß fürs Kind! Suchen Sie gezielt bei Eltern-Kind-Einrichtungen, Fitnessclubs und Yoga/Pilates-Studios sowie im Känguru-Anzeigenteil nach Angeboten wie beispielsweise „Fitness mit Baby“, „Postnatal-Yoga“ oder „Buggy-Fit“. Wenn Sie in Ihrer Umgebung nichts finden können, schließen Sie sich einfach mit anderen Eltern zusammen und engagieren Sie eine Trainerin, die ein Eltern-Kind-Programm konzeptioniert. Achtung: Die Kursleiterin sollte sich mit dem Thema „Sport nach der Geburt“ auskennen!

Training mit Kind – Hometraining
Wenn Sie ein disziplinierter Typ sind und Ihr Kind es auch mal länger als 15 Minuten alleine in der Wippe oder der Spielecke aushält, kommt auch ein Hometraining in Frage – vielleicht etwas langweilig, dafür zweckmäßig und zeitflexibel! Für die Ausdauer sind Crosstrainer und Spinningbike am effektivsten, aber kaufen Sie bitte keine Billig-Geräte (< 400€), denn diese stellen aus bewegungsergonomischen und materialtechnischen Gründen eine Milchmädchenrechnung dar. In deutschen Kellern stehen massenhaft ungenutzte Hometrainer – wenn Sie nicht so viel ausgeben möchten, wird Ihnen ein hochwertiges, gebrauchtes Gerät viel Freude machen. Eine weitere praktische Lösung für zu Hause sind DVD-Workouts, für einen überschaubaren Preis können Sie sich ein abwechslungsreiches Sortiment von Rückentraining bis Dance-Fitness zusammenstellen. Bei Amazon finden Sie eine große Auswahl und zudem hilfreiche Kundenbewertungen. Mittlerweile gibt es sogar DVDs speziell für Mütter, die MamaWorkout-Serie zum Beispiel („Fit in der Schwangerschaft“, „Rückbildungsgymnastik“, „Bauch Beine Po mit Baby“) ist ebenfalls im Internet erhältlich. Wer sich etwas Luxus gönnen möchte, bestellt einen Personal-Trainer, der das Kind in die Übungen integriert oder auch mal zwischendurch auf den Arm nimmt während Sie Diese Variante ist zwar nicht billig, dafür aber maximal effektiv. Sie können natürlich auch ein Couple-Training organisieren, dann wird’s günstiger und lustiger. Tipp: Qualifizierte (Personal-)Trainer finden Sie bei www.premium-personal-trainer.com und www.personalfitness.de.

Training mit Kinderbetreuung
Viele Eltern möchten ihr Training auch als „Zeit für mich“ oder gemeinsam als „Zeit für uns“ genießen. Einige Sportvereine und Eltern-Kind-Einrichtungen bieten deshalb Kurse mit parallel stattfindender Kinderbetreuung an. Das umfangreichste, vielseitigste Angebot machen allerdings die Fitnessclubs. Die Zeiten, wo Sie aus so einer schweißmuffigen Muckibude rückwärts wieder rausstolpern mussten, sind lange vorbei – heute finden Sie modern ausgestattete Anlagen mit freundlicher Atmosphäre vor. Die meisten Clubs bieten stundenweise Kinderbetreuung in einem separaten Raum, somit können Sie folgende Vorteile auskosten: Zum Einen sind Sie nicht an feste Trainingszeiten gebunden, sondern nur an die Öffnungszeiten der Kinderbetreuung. Zum Anderen können Sie ein großes Angebotsspektrum nutzen: Gerätetraining, Kurse (Yoga, Pilates, Aerobic, Tae Bo, Workout u.s.w.), Personal-Training, Sauna, Solarium. In manchen Clubs gibt es sogar die Möglichkeit, Vibrationsplatten (z.B. „Powerplate“) zu nutzen, auf denen Sie sehr effektiv und daher nur sehr kurz trainieren – dies würde einem quengeligen Kind sicher entgegen kommen.

Bei der Wahl des Fitnessclubs achten Sie natürlich sowieso darauf, ob er gut erreichbar ist, Ihnen das Angebot zusagt und Sie sich wohl fühlen, darüber hinaus sollten Sie folgende Details überprüfen:
– Öffnungszeiten der Kinderbetreuung? Mittlerweile öffnen einige zusätzlich zum obligatorischen Vormittag auch nachmittags und am Wochenende.
– Ausbildung und – noch wichtiger – Sympathiefaktor der Kinderbetreuer
– Wieviele Betreuer umfasst das Team? Wieviele Kinder pro Betreuer?
– Wechselt das Personal häufig oder wird Ihr Kind eine regelmäßig anwesende Bezugsperon antreffen?
– Gibt es eine Kündigungsoption, wenn Ihr Kind auch nach einigen Wochen nicht in der Betreuung bleiben möchte?

Auch bei der Kinderbetreuung gibt es natürlich eine hochpreisige Variante: Bestellen Sie 2 x wöchentlich einen Babysitter, um zum Training zu gehen. Sie investieren in Ihr Wohlbefinden und langfristig wird Ihr Körper es Ihnen garantiert danken!

Vielleicht konnte Sie eine der hier vorgestellten Ideen überzeugen und Sie starten ins neue Jahr direkt mit sportlichen Vorsätzen – viel Spaß und viel Erfolg beim Training!

Autorin Verena Wiechers ist zweifache Mama, Sportwissenschaftlerin, Fitness- & Gymnastiklehrerin und Leiterin der AKADEMIE FÜR PRÄ- & POSTNATALES TRAINING, ein Ausbildungsinstitut für Hebammen, Physiotherapeutinnen und Trainerinnen. Für Schwangere und Mütter hat Verena das MamaWORKOUT-Konzept entwickelt, dieses Konzept gibt es in Video- und Buch-Form, außerdem werden deutschlandweit MamaWORKOUT-Kurse von zertifizierten Prä- & Postnataltrainerinnen angeboten.

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