Frauenärzte und Hebammen raten jeder frisch gebackenen Mama, circa 6-8 Wochen nach der Entbindung mit der Rückbildungsgymnastik zu beginnen und die Krankenkassen erstatten sogar den Kursbeitrag. Warum wird so viel Wert auf diese Rückbildungsgymnastik gelegt?!
Als die Menschen noch ihr Wasser aus dem Fluss holten und abends um die Feuerstelle tanzten, brauchten Frauen keine Rückbildungsgymnastik. Die Muskeln waren durch die vielseitige körperliche Ertüchtigung und aufgrund eines ganz anderen Körperbewusstseins vorher sehr fit und regenerierten sich nach der Geburt schnell. Nach mehreren Schwangerschaften waren die Muskeln einer Neandertalerin zwar auch nicht mehr die fittesten, aber unsere Vorfahren wurden ja auch nicht so alt… Heute leben wir in einer Welt, in der unser Körper kaum noch auf natürliche Weise benutzt wird, dadurch mangelt es vielen an Kraft, Ausdauer und Körpergefühl. Gleichzeitig werden wir aufgrund der hygienischen und medizinischen Verhältnisse sehr alt. Der allgemeine Bewegungs- und Körperbewusstseinsmangel kann dazu führen, dass die Muskeln, Sehnen und Bänder durch die Strapazen von Schwangerschaft und Geburt enorm leiden und sich später nicht richtig zurückbilden. Durch die schwachen, instabilen Muskeln, Sehnen und Bänder können Funktionseinschränkungen entstehen, die sich dann vor allem im höheren Alter bemerkbar machen. Typische Beschwerden, die aus schwachen Rumpf- und Beckenboden-Muskeln entstehen, sind zum Beispiel:
- Rückenbeschwerden
- Blasenschwäche / Inkontinenz
- Druckgefühl im Unterleib
- Schmerzen im Bereich des Beckens
- sexuelle Unlust
Ein weiterer Aspekt ist der ästhetische: Schwache Rumpf- und Beckenbodenmuskeln sorgen für eine schlechte Haltung und eine unschön geformte Körpermitte. Viele Frauen sind nach der Entbindung unglücklich mit ihrer Figur, was sie emotional belastet.
Die Ziele von Rückbildungsgymnastik
Rückbildungsgymnastik begegnet den oben beschriebenen Beschwerden mit gezielten Übungen – sie verfolgt dabei zwei Ziele:
- Die beanspruchten und in Mitleidenschaft gezogenen Bauch-, Rücken und Beckenbodenmuskeln werden zunächst sanft aktiviert und später gekräftigt, dadurch regenerieren sich und funktionieren wieder wie früher. Funktionseinschränkungen (z.B. Inkontinenz) oder Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen) haben so keine Chance. Die durch die Rückbildungsgymnastik gekräftigte Muskulatur sorgt dafür, dass die Frauen den Baby-Alltag fit und beschwerdefrei meistern können!
- Die straffenden Übungen beziehen sich hauptsächlich auf den Rumpf, aber auch an der Kraft der Extremitäten sowie an der Körperhaltung wird gearbeitet. Auf diese Weise kommt es zu einer schmaleren, strafferen Körpersiluette. Es geht nicht darum, besonders dünn zu sein, sondern die weiblichen Formen zu straffen – manche Frauen fühlen sich nach der Rückbildungsgymnastik schöner als vor der Schwangerschaft!
Was macht eine effektive Rückbildungsgymnastik aus?
Rückbildungsgymnastik ist nicht gleich Rückbildungsgymnastik! Oftmals ist das Training uneffektiv und die oben genannten Ziele werden nicht optimal erreicht. Daher ist es wichtig, auf einige Dinge zu achten:
- Die Hebamme oder Sportlehrerin, die die Rückbildungsgymnastik anleitet, sollte sich auf das Thema wirklich spezialisiert haben und reichlich Erfahrung vorweisen können.
- Die Rückbildungsgymnastik sollte theoretische Hintergrundinformationen über den weiblichen Körper enthalten (z.B. Aufbau des Beckenboden-Muskels). Dieses Wissen sorgt dafür, dass die Frauen ihren Körper kennen bzw. verstehen lernen und somit die Übungen besser umsetzen können. Zu viel Theorie ist aber auch nicht dienlich, denn vom Zuhören werden die Muskeln nicht wieder kräftig!
- Die Rückbildungsgymnastik sollte ein wenig Körperschulung enthalten, das heißt z.B. “Wie spannt man den Beckenboden im Alltag an”, “Wie trage ich das Baby rückengerecht”, “Wie entlaste ich Nacken- und Lendenwirbelbereich”.
- Die Kursleiterin sollte Übungen zeigen und erklären, die die Frauen in ihren Alltag integrieren können.
- Regelmäßigkeit ist das A und O! Wenn man 1 x pro Woche Rückbildungsgymnastik macht, bringt das natürlich ein bißchen was… Einen richtig guten, sichtbaren und spürbaren Effekt kann man erzielen, wenn man die Übungen auch im Alltag integriert!
- Die Übungen sollten effektiv sein, das bedeutet: Die Muskeln sollen nicht über- aber auch nicht unterbelastet werden. Ein Trainingseffekt entsteht, wenn man die beanspruchte Muskulatur nach 10-15 Wiederholungen deutlich spürt. Die Frauen sollten sich nach der Stunde nicht ausgelaugt fühlen, aber doch das Gefühl haben, dass sie sich bei den Übungen etwas anstrengen mussten.
- Generell gilt bei der Rückbildungsgymnastik, dass Regelmäßigkeit wichtiger ist als sich stark anzustrengen. Der Körper muss jetzt langsam aufgebaut werden. Wenn eine Übung zu anstrengend wird oder man einen schlechten Tag hat, sollte man abbrechen und es beim nächsten Mal wieder versuchen! Es ist aber wirklich wichtig, am Ball zu bleiben und die Übungen mehrmals pro Woche zu machen, dann werden sie sich auch immer weniger anstrengend anfühlen.


